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Was wird nicht alles über Leadership geschrieben. Man hat den Eindruck: Ansätze gibt es wie Sand am Meer. Aber was ist wirklich wesentlich? Was ist ein Leader? Was verkörpert er/sie?

If the Student is ready the Teacher appears. Tao Wisdom

In Deutschland will man ja nicht mehr so recht über Führung sprechen. Haben wir schlechte Erfahrungen mit gemacht, wenn nur einer sagen will wo es lang geht. Unsere Erfahrung sagt aber: viele Menschen ahnen zwar, dass das keine so gute Idee ist, trotzdem trifft man überall auf einsame Entscheider in komplexen Hierachien.

Da wir kurz vor Pfingsten haben und der heilige inspirierende Geist gerade in Deutschland wieder oder nochVollbeschäftigung hat, hier eine kleine Wortspielerei zu Ihrer Erbauung und Anregung: Intellektuelles Wissen ist nicht wichtig, sondern die Weisheitsübertragung von Herz zu Herz.

Sie müssen als guter Leader also keine Rampensau sein. Achtsamkeit praktizieren und Mitgefühl entwickeln wäre ein wunderbarer Beginn.

“…daher lässt sich der Weise von dem leiten, was er spürt, nicht von dem, was er sieht. Jenes lässt er los, dieses erwählt er.” Tao te King

In diesem Sinne: frohe Pfingsten!

T.S.Elliot soll gesagt haben: die Alten müssen immer Kundschafter sein. Warum? Na weil sie die meiste Erfahrung haben. Kundschafter sind also Leute, die wissen oder rausfinden, wo es für die anderen, die Nachkommenden also, in Zukunft langgeht. Kundschafter sind so eine Art Pioniere. Zukunftspioniere…könnte man sagen.

Einige “Alt-Meister” sind im Augenblick dabei, sich komplett aus dem Mainstream-Gedöns ( Fernsehen z.B.) zu verabschieden und haben die Möglichkeiten und Gestaltungskräfte des Internets entdecket.  Störsender.tv…Ein völlig anderes Sendeformat als Cross-Over Projekt – Geld wurde beschafft aus Crowd-Founding Plattformen. 125000 Euro war als Startkapital vorgesehen und wurde von ca 3000 Menschen für die ersten Störwellen aufgebracht. Und einfach bei you tube anzusehen. Also fast Gebührenfrei. Einfach reinschauen, aufklären lassen, Zusammenhänge begreifen und Phantasie entwickeln. Zu viel oder genau richtige Qualität zum Beispiel kann auch ein Störprogramm sein, je nach dem wen man fragt.störsender.tv

Gute Entscheidungen brauchen Handwerkszeug und Haltung. Neulich haben wir einen Tages-Workshop mit einer 25 Mann/Frau starken Investoren-Gruppe zum Systemischen  Konsensieren gegeben. Es war der Wunsch eine Methode, ein Verfahren kennen zu lernen, dass über das übliche JA, NEIN, ICH ENTHALTE MICH hinausgeht und die unausgesprochenen, unklaren aber im Untergrund marodierenden Themen ans Tageslicht bringt. – Wir Zukunftspioniere haben seit längerer Zeit vielfältigste Erfahrungen mit der Methode des systemischen Konsensierens in Großgruppen sammeln dürfen und freuten uns auf diesen weiteren Prozess.

Nach einer kurzen Auf- und Anwärmphase gab ich eine Einführung in das Denk- und Entscheidungsverfahren in der Arbeit mit Widerstandsstimmen. ( Für alle, die darüber mehr erfahren wollen, sei das kleine Büchlein von Georg Paulus, Siegfried Schrotta und Erich Visotschnig “Systemisches Konsensieren, Der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg” empfohlen). Es entstand in der Gruppe der Wunsch, die Methode des systemischen Konsensierens zu konsensieren. Haben wir gemacht. Anfang-Ergebnis: WS (Widerstand-Stimmen) insgesamt 102…

EntscheidungDann sind wir in die mit gebrachten, drängenden Themen eingestiegen.  Ich kürze das hier mal etwas ab. – Nach fünf Stunden gemeinsamer, zum Teil erstaunt- begeisterter Arbeit, kurz vor den Abschlussfeedback, haben wir nochmals die Widerstandsstimmen eingesammelt. Ergebnis: WS insgesamt 46…

Mehr Beweise, dass systemisches Konsensieren funktioniert und bessere und auch klügere Ergebnisse oder Entscheidungen bringt, brauchen wir nicht mehr. Wir sind bereit, diese Beweise auch bei Ihnen – Unternehmen, Organisation, NGO – zu erzeugen. Die dafür notwendige Haltung finden wir bei Ihnen vor – unsere bringen wir auf jeden Fall mit.

Diese Methode kann die Welt und uns ein großes Stück friedvoller und besser machen, sagen fast alle im Abschlussfeedback.

so wird`s gemacht!

Das Gehirn ist ein Filter zur Abwehr unerfreulicher Neuerfahrungen – sagt die Hirnforschung. Daher können Sie die meisten Lerndesigns unbeachtet lassen, denn faktenbasierte, rationale Motivations-Performance die nicht inspirierend ist und zur intrinsischen Bewegung führt…so what? Achtsam freudvolles Lernen geht anders.

Die Zukunft gehört daher Team-Menschen, die Trennungs-denken in emphatisches Gemeinsamdenken verwandeln können ( Dein Problem ist mein Problem – mein Problem ist dein Problem). Wenn auf der Berliner Flughafen-Großbaustelle so gedacht würde, wäre das Ding vielleicht schon fertig. Ich habe im Zuge der Berichterstattung auf jeden Fall noch nicht gehört, dass Mediation zu Einsatz gekommen sei. Auf jeden Fall stehen dem vernetzten Ansatz im Denken und Tun für die Zukunft alle Türen weit offen, sofern der Geist der Entscheider weit genug geöffnet ist. – Ob soziale, emotionale oder kollektive Intelligenzforschung, ob Partizipations- , Konflikt- oder Entscheidungsforschung – überall läuten die Glocken das Ende des EGO-versteiften, prozessoptimierenden Gewinnmaximierers ein, der nur eigene Interessen auf Kosten anderer, statt Gemeinwohl in Sinn hat. – Hat sich nur noch nicht überall rumgesprochen  aber wird schon noch.

Diese große Transformation wird in den nächsten Jahren statt finden und es wird die gigantischste Welt- Baustelle sein, die vor uns so in keiner Zeit stattgefunden hat. Daher spare ich mir das Aufzählen einzelner Bereiche – stellen Sie sich einfach vor, dass es überall sein wird. Seit Monaten arbeitet zum Beispiel ein privater Arbeitskreis in unseren Räumen an zukunftsfähigen Konzepten der Regionalentwicklung. Ab Februar 2013 beginnt der Kick Off zur Einführung einer Regional-Währung im Bonner Umfeld. Und – sollten Sie rein zufällig am Dienstag Neues aus der Anstalt gesehen haben, dann wissen Sie jetzt, dass viele Städte, Gemeinden und Kommunen – ja sogar Brüssel – über die Privatisierung öffentlicher Güter nachdenken: Strom- und Wassernetze, S- und U-Bahnen, Schwimmbäder etc etc. Das geht natürlich schon lange so, nix neues. Fragen Sie doch mal bei den zuständigen Ämtern nach, wem die Dinge, die Sie wie selbstverständlich zu Ihrem Umfeld gehörig ansehen, in Wirklichkeit gehören. Tja, wenn einem nichts anderes zur Finanzierung  der öffentlichen Hand einfällt…Uns schon! ( Trotzdem. Bitte hier unbedingt mal reinschauen: www.right2water.eu )

Wir fühlen uns darauf gut vorbereitet. Sie/ du auch?

Trauben hängen tieferChade-Meng Tan ist der Autor von Search Inside Yourself. Das Buch ebenso wie das Programm, das er für das Unternehmen Google entwickelt hat, gilt als Glücks-Coaching der anderen Art. Daniel Goleman und Jon Kabat-Zinn haben das Vorwort geschrieben, das bedeutet: emotionale Intelligenz trifft auf Achtsamkeits-Training. Das Programm ist eine Anleitung oder Einführung für die innere Suche nach sich selbst in neun Kapiteln.

Google ist als Unternehmen dafür bekannt, dass die Mitarbeiter in der Mittagspause – wenn sie wollen – in ihrem dafür gebauten Audimax auf Referenten wie Goleman, Kabat-Zinn, Mathieu Ricard u.v.a. treffen und bei Cafè Latte sich die allerneusten Informationen aus der Welt der Meditations- und Mitgefühl-Forschung anhören können, wenn sie wollen.

Search Inside Yourself ist ein Programm, dass seit ca fünf Jahren intern bei Google in der Personalentwicklung läuft und entsprechend auf Resonanz getestet ist. Mittlerweile gehört es zum Open Source Bestand, denn Chade-Meng Tan hat die Vision von einer friedlichen und glücklichen Welt und mit diesem Glücks-Coaching der besonderen Art will er dazu einen powervollen Beitrag leisten.

Kaufen…anwenden…Resilienz-Training für oder in Krisenzeiten der feinen Art. Wirkung fast garantiert.

Am 23. November halte ich zum Thema Sinn von Resilienz-Training in Bonn einen Vortrag. Ort: Rudolf Steiner Haus, Bonn, 19.30 Uhr.

Neulich in Ingelheim.  Der Workshop heißt: Gemeinschaftsbildung durch partizipative Entscheidungsfindung.

Erwartungsabfrage systemisches KonsensierenDie DRK-LebensWohnraum für RLP hatte mich als Moderator engagiert, eine Einführung ins SK anhand eines “Life-Erlebnisses” zu demonstrieren. 18 Menschen aus ungefähr vier verschiedenen Wohn-Projekten – einige lebten bereits in ihrem Projekt, andere waren noch in der Planungsphase – versammeln sich zu diesem Termin im Raum. Der Kenntnisstand, was systemisches Konsensieren ist, wie es in der Praxis funktioniert und wo man das am besten einsetzt, war bunt gemischt. ( Erwartungsabfrage siehe oben)

Nach einer kurzen Einführung ins systemische Konsensieren für den gemeinsamen Kenntnisstand des Tages schlug ich eine Kleingruppen-Übung vor, die… direkt abgelehnt wurde, da “nicht praktisch” genug. Ich liebe das – besonders bei diesem Thema. Es war eine gewisse Unruhe im Raum, es solle endlich losgehen, genug mit rumreden und theoretischen Einführungen.  Der richtige Zeitpunkt, die Anliegen zu sammeln, bereits gemeinsam an der präzisen Formulierung zu arbeiten und auf Flipchart aufzuschreiben. Es bildeten sich Themen ab wie: gerechte Nebenkostenabrechnung und wer soll das machen? Sollten Jugendliche ein Mitbestimmungsrecht bei Entscheidungen haben? Wie baut man eine Selbstverwaltung auf? u.v.m. Insgesamt hatten wir neun Anliegen oder Themen aufgeschrieben.

Die auffordernde Frage war: mit welchem Thema wollen wir weiterarbeiten? Die erste Runde unseres Konsensierens ergab durch Abfrage der einzelnen Anliegen drei klare Favoriten in den Widerstandwerten. Für das weitere Vorgehen arbeiteten wir mit dem Prozess der strukturierten Lösungsfindung:

  • 1. Übergeordnete Fragestellung klären
  • 2. Individuelle Problemsicht
  • 3. Die Lösungssuche
  • 4. Vorläufige Bewertung der Vorschläge
  • 5. Sammeln und Begründen der Einwände
  • 6. Anpassen der Vorschläge

Nach 3,5 Stunden hatten wir ein – für einige – überraschendes Ergebnis: das Anliegen “Wie baut man eine funktionierende Selbstverwaltung auf” hatte die niedrigsten Widerstandwerte. Als ein “Geschenk” an die Person, die das Anliegen eingebracht hatte, machten wir mit der Restenergie der Gruppe noch ein Brainstorming, was alles zu einer funktionierenden Selbstverwaltung gehören sollte.

Die letzte Abfrage des Tages galt im “vereinfachten Konsensieren” ( 0 – 50 – 100 demonstriert durch Heben oder Nicht-Heben der Arme dem Abgleich der Erwartungsabfrage zum Workshop: 0 Widerstandswert/Arme unten, 50 Prozent Widerstandwert ein Arm oben, 100 Prozent Widerstandswert zwei Arme oben ). Das Ergebnis war: sechs / sechs / sechs ( 6/6/6 ).

Ich hätte gerne noch einen zweiten Tag gehabt, um herauszufinden, wie die Widerstandwerte sich begründen.

O soul! It`s time to get drunk!

O wisdom! Be a fool!

Rumi   (time for the lovers)

“Sie müssen das ganz nüchtern sehen.” – “Da müssen wir vernünftig/analytisch drangehen.” – “Das erfordert der Ernst der Lage!” … kommen wir so noch weiter?

Menschen wie Rumi haben sich schon vor Jahrhunderten entschieden: Wer seine Ausrichtung kennt, wer weiß, was wesentlich ist, wer in eine unberechenbare Zukunft will, der muss die Kontrolle aufgeben können, muss sich anfüllen mit Nicht-Wissen, kann um die Ecke denken und über sich selbst lachen. Dann passiert überraschend Neues.

“Nüchtern und vernünftig” ist Widerkäuen, Sichern und Halten (was es durchaus auch hier und da braucht).

“Trunken und verrückt” ist – wohlgemerkt: bei entsprechend lebensfreundlicher Ausrichtung! – Leadership, Grenzüberschreitung, Transformation – Vertrauen in das Leben und in das innere Geführtsein, das vom Herzen kommt.


KomponentenGründerEntrepreneure. Was sind das eigentlich für Leute? Was machen die anders? Wie denken die? Wo kommen die überhaupt her?

Klar ist: Schulen und Universitäten haben bisher einen sehr geringen Anteil daran, dass es sie gibt. Das sollte sich in Zukunft ändern. Es gibt sehr viele Aufsätze, Bücher und Dissertationen, die sich mit der Erforschung des Gründer-Phänomens beschäftigen. Hat man das alles gelesen, weiß man zwar sehr viel – hat aber immer noch keine eigene Idee.

Vor drei Jahren war ich bei Prof. Faltin im Labor für Entrepreneurship in Berlin. Wir waren in unseren Vorbereitungs-Telefonaten bereits begeistert von dem Versuch, die Idee der Aufklärung zu Ende zu denken – und zwar mit speziellem ökonomischen Denken. Entrepreneurial Thinking eben. Psychologie und Philosophie zusammen mit Ökonomie neu ausrichten auf die Lösung von Problemen, focusiert auf die Person des Gründers – denn die Idee muss zum Gründer passen, sonst fehlt dem Langstreckenläufer die Energie im Mittelfeld. Am besten noch interdisziplinäre Ansätze, denn Komponentengründer müssen von Natur aus kooperieren können.

Sagen wer man ist und was man tut. Klingt gut und einfach. Aber: haben Sie das gelernt? Was haben Sie denn dazu in Ihrem Neofrontalen Cortex abgespreichert? Irgendeine positive  frühkindliche Erfahrung, die Sie auf Ihr Leben als Unternehmer, als Entrepreneur vorbereitet hätte?

Da kommt an Zukunftskompetenzen einiges zusammen: die eigene Idee finden und halten, andere begeistern können, die eigene Idee kurz und knackig erklären und präsentieren ( Elevator Pitch), den Zukunfts-Markt kennen und analysieren, Komponenten identifizieren, Teams bilden und koordinieren, Konflikte klären, zielführend planen, für den proof of concepts die Kriterien entwickeln, Prototyping durchführen, Feedback einholen und überleben, die Laune nicht verlieren – daher gute Selbstführungs-Qualitäten erforderlich, klare Werte haben, nachhaltig denken und handeln können, fair trade anstreben, Verantwortung leben, unbestechlich sein…uvm.

Okay. Wenn sie ein noch aufregenderes Leben wollen, werden Sie Lehrer und denken Sie über die Schule der Zukunft nach. Möglichst mit anderen zusammen, die völlig anderer Meinung sind als Sie. Das bringt Stimmung – und die Notwendigkeit die eigene Position immer wieder zu überdenken.

Wolke kommt, Wolke gehtDer Königsweg zu einer Arbeit, die Sinn und Freude macht und Erfolg bringt, besteht darin, sich gegenseitig zu helfen und sich zu unterstützen. Kooperieren, statt Konkurenz fortzusetzen, ist ganz sicher ein mentaler Zukunfts-Shift. Es ist mir natürlich klar, dass eine so radikal neue Sichtweise auf sich selbst und andere im Tun nicht einfach zu beschließen oder zu akzeptieren ist. Die neuste Hirn- und Bewusstseinsforschung liefert aber permanent Daten zu, die diese Annahme für die Zukunft untermauert. Mir geht es  auch nicht um “neue Verhaltensweisen lernen” nach dem Best-Practice-Motto: mach`mal so oder so, wirst sehen, funktioniert. Mir geht es bei Zukunftskompetenzen heute um die Entwicklung der Verantwortung für das eigene Glück und das Glück der Anderen. Es geht um Tieferes. Es geht um die ersten Schritte hin zu einer von mehr Mitgefühl geprägten Arbeit. Dafür ist es immer gut zu wissen, wer man selbst ist und wohin man will.

“Wenn man seine Arbeit nicht so sehr unter dem Gesichtspunkt betrachtet, was man zu gewinnen oder zu verlieren hat, sondern eher aus der Perspektive, welche Erfahrungen zum gegenseitigen Nutzen gemacht werden können, dann entstehen Gelegenheiten für alle, das eigene Glück zu finden.” Akong Rinpoche

Achtsam sein bedeutet, im augenblicklichen Moment wach und präsent zu sein. Das ist notwendig, um eingefahrene Gewohnheiten zu durchbrechen. Das sollten wir täglich einüben. Entspannungspausen im Laufe des Tages sind dafür ungeheurer wichtig. Planen Sie die ein, sagen wir ca. 15 Minuten. Tun Sie in dieser Zeit absolut nichts – außer natürlich bewusst atmen! Suchen Sie sich dafür einen ruhigen und angenehmen Platz, schauen Sie – wenn möglich – in den Himmel und lassen Sie Ihre Gedanken genauso ziehen wie die Wolken. Einfach ziehen lassen, nicht urteilen, nicht hinterherlaufen…Wolke kommt, Wolke geht.

Nichtstun ist nämlich harte Arbeit. Zur Einführung und Inspiration hilft das brand ein Heft August: Nichtstun.

Wir werden in diesem Blog die nächsten Wochen über viele dringend notwendige Zukunftskompetenzen schreiben.

Bestehen oder UntergehenWarum Menschen und Gesellschaften dumme Entscheidungen treffen ist die zentrale Frage im Buch “Kollaps, Warum Gesellschaften überleben oder untergehen”, von Jared Diamond. Eine Schwarte von fast 700 Seiten braucht es offenbar, um ein paar sinnvolle Antworten zu sammeln. Diamond ist Professor für Physiologie an der Universität in Los Angeles. Sein Hauptfocus liegt auf der Erforschung der Evolutionsbiologie. Da liegt der Buchtitel ja in der Nähe.

Von Pythagoras ist die knurrige Aufforderung überliefert, man solle schweigen oder Dinge sagen, die noch besser sind als Schweigen. Der war schon weiser als Wittgenstein, der in seiner Dissertation (bekannt als Tractatus logico philosophicus) schrieb: “Worüber man nicht reden kann, soll man schweigen.” Ich denke: Angesichts der ungeheuren Phänomene (oder soll ich das wirklich Entscheidungen nennen?), die tagtäglich vor unser aller Augen aufgeführt werden, sprechen, schreien, brüllen und handeln immer noch zu wenige Menschen. Ist das die Konsequenz einer schwach ausgeprägten analytischen Wahrnehmung, eines bereits eingeschüchterten Verstehenwollens? Ein zugemauertes Herz? Sind wir zu erschöpft, zu weit fortgeschritten im Burn-out? Resigniert, deprimiert, ohnmächtig?

Dabei geht es um die große Transformation, auf der Basis eines neu auszuhandelnden Gesellschaftsvertrags. Darum sollte es zumindestens gehen. Es geht um die Frage, ob wir wirklich klug weitsichtig genug dafür sind – klug genug in den Institutionen, klug genug in den politischen Gremien und Parteien, klug genug in innovativen Unternehmen und kreativer Ökonomie, klug genug in partizipativen Prozessen, klug genug in der Verantwortung und der Teilhabe am großen Ganzen, klug genug in Regionen und Gemeinden, klug genug in Nachbarschaften durch intelligentere Formen von Besitzen und Teilen, klug genug in interreligiösen Dialogen, klug genug im Umgang mit uns selbst und anderen, klug genug im vernünftigen Einsatz von Geld, klug genug in lebendiger Bildung und dem Erwerb von wesentlichen Zukunftskompetenzen, klug genug für nötige und sinnvolle Kooperationen mit anderen, die das Gleiche oder genau das nötige Andere tun wie wir…und es geht um die Stärkung der Resilienzfähigkeit von Menschen und Organisationen.

Denn vor uns gab es andere Hochkulturen, und sie sind zu  Staub zerfallen. Vergänglichkeit ist ein karmisches Gesetz. Sind wir lernfähig genug? Können wir unsere unbestreitbaren technischen Vorteile, unseren weiten Geist und unsere Empathiefähigkeit zum Überleben nutzen – zum Wohle aller?

Bei Diamond gibt es vier relevante Punkte, über die es sich lohnt nachzudenken:

  1. Es ist möglich, dass eine Gesellschaft ein Problem nicht voraussieht;
  2. Es ist möglich, dass eine Gesellschaft ein Problem einfach nicht wahrnehmen will;
  3. Es ist möglich, dass eine Gesellschaft ein Problem zwar erkennt, aber keine angemessene Anstrengung unternimmt, es  zu lösen;
  4. Es ist möglich, dass politische und gesellschaftliche Eliten die Folgen ihrer eigenen Handlungen nicht wahrhaben wollen, was natürlich die Transformation behindert, den Zusammenbruch aber beschleunigt.

Was meinen Sie? Welche von den vier Aussagen trifft auf uns zu?  – - -

WAS sagen Sie? ALLE?

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