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Gestern hatten wir wieder einen Workshop mit 20 Menschen aus 6 verschiedenen Wohnprojekten. Das Thema: Umgang mit Konflikten. Und obwohl wir in unserem Tagesworkshop insgesamt nur 4 Arbeitsstunden hatten, ist es gelungen, Menschen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen für das Feld des systemischen Konsensierens zu begeistern.

Seit sechs Jahren experimentieren wir bereits mit der Methode, haben viele Workshops dazu veranstaltet und gelangen immer mehr in die Tiefenstruktur der Möglichkeiten, wenn die geistige Offenheit und Empathie als verkörperte Haltung präsent und spürbar im Raum ist. Nur so gelingt unserer Ansicht nach die Kunst der Verständigung als kreativer Prozess, der den sozialen Frieden in Projekten in Balance halten kann.

…und seid versichert: ich spreche hier nicht von zuckersüßen harmonischen Verläufen, dabei darf, kann und muss es auch mal richtig krachen. Verhandlungen über unterschiedliche Wert-Ansichten sind meiner Erfahrung nach sehr selten konfliktfrei. Warum auch? Wir wollen ja an einer Kulturveränderung arbeiten, die immer weiter lernt konstruktiv mit Konflikten umzugehen und vor allem keine Angst vor Verschiedenheit hat.

Hier unser nächster Praxis -Termin in unserem Labor für Morgen.

 

Wie kann man Plunge erklären?…sich in etwas hinein stürzen, fallen, reingezogen werden, sich einer unberechenbaren Situation aussetzen, etwas tun, was man noch nie so gemacht hat, mit Menschen, die man gar nicht kennt – an einem Ort, an dem man noch nie war und der ein gewisses Potential in sich birgt – von großer Fazination durch seine Aura bis hin zur Gänsehaut – der Grenze psychischer Belastbarkeit…aber am Ende ist man heilfroh dabei gewesen zu sein – mit erweitertem Bewusstsein und neuen Perspektiven für das eigene Leben.

Menschen, die diese Lebensform willkommen heißen, sogar suchen, denn wir die entstehende zukünftige Welt größtenteils gehören. Mögen es Menschen mit guten Absichten sein. Das ist unser Wunsch – und alles andere als gewiß!!

Das ist ein Plunge.– Wir haben davon in unserem Leben schon einige erlebt.

Die Zukunft fordert Spontanität, Flexibilität, Vielfalt…mehr Agilität. Die VUCA Welt zeigt sich uns oft als kaum bis nicht mehr planbar. Viele spüren es zur Zeit als läge es in der Luft, rund um den Planeten: Niedergang und Transformation in etwas Neues laufen paralell. Lineare Modelle taugen gerade noch als theoretische Trockenübungen.

Was wohltuend ist und in der Wirkung evident, das heißt erprobt und bewährt… wenn wir im Plunge unser inneres Welterleben mit Stift und Papier bearbeiten. Schreiben, zeichnen, malen, gestalten – eigene Prozesse bekommen sichtbare Stuktur durch Worte, die Gefühle abbilden.

Zur Besinnung kommen durch Zeit für philosophische Reflexion und expressives, kreatives Schreiben in Stille.

Wir bieten zwei kurzfristige Gelegenheiten für Plunge-Erfahrungen:

21 Stunden LebensZeit. Ein Resilienz-Training der besonderen Art. 

Anmeldungen sind sofort, spontan und besonders kurzfristig erwünscht – entweder aus Verzweiflung oder aus Entschlossenheit oder beidem. Ein Telefonat vorher ist ist möglich…ich würde es machen.

In diesen Tagen – so kurz vor der Bundestagswahl – wird aus allen Richtungen und Lagern verstärkt über ein großes Projekt geschrieben – und hoffentlich vorher tief durchgedacht: EUROPA.

Für mich ist eigentlich klar, dass dieses Europa nur gelingen kann, indem das beste menschliche Potential, was europäisch, besser noch international an geistiger Reife, Tiefe und Klarheit zu haben wäre, zuerst an den großen runden Tisch oder in den Kreis gehört – dann die üblichen Funktionsträger unter dem Commitment deutlicher Regeln. ( Ich freue mich über jeden und jede, wo dies zusammentrifft!) Von zufallsgenerierten Bürger-Räten ist bereits die Rede und damit wird experimentiert.-

Dazu einen kleinen Textausschnitt von Norman Fischer, ein amerikanischer ZEN Praktizierer, aus seinem Büchlein: Unseren Platz einnehmen, den ich im Coaching gerne verwende:

„…Indem wir Schwierigkeiten leugnen, lernen wir nie, das Schwierigkeiten kreativ sein und Früchte tragen können. Diese nationale Gewohnheit, Schwierigkeiten zu leugnen, bringt kein Klima hervor, in dem REIFE zunehmen kann. Sie ermutigt uns alle, unser ganzes Leben lang unreif zu bleiben, uns selbst zu betrügen, oberflächlich zu sein und auf der glatten Seifenblase des Traumes dahinzugleiten, die gerade deshalb so leicht zu zerstören ist, weil sie die realistische Akzeptanz der oft drastischen Tatsachen des Lebens außer Acht läßt. Es ist kein Wunder, dass es in unserer Kultur so viel Leiden gibt trotz unseres Reichtums und unserer Macht. So viele von uns scheinen sich nicht dem Leben stellen zu können, wie es wirklich ist. Und deshalb finden wir es schwer, erwachsen zu werden…“

Ich meine das nicht als pädagogischen Zeigefinger. Wer Erfahrung mit ZEN hat weiß, dass Worte – wenn sie die eigene Wahrheit berühren – sehr schmerzhaft sein können. Aber es lohnt sich – jeder an seinem Platz – darüber nachzudenken…und aus diesem Geist, aus dieser Einsicht zu handeln: Social Action.

Zukunftsgewandte Resilienz – dass ist das, was Europa dringend braucht. ( Den EU-Aktionsplan für Resilienz in krisenanfälligen Ländern 2013-2020 haben wir zur Kenntnis genommen. ) Aber ohne eine Haltung von Achtsamkeit in allen Dingen, ohne tiefempfundenes Mitgefühl mit Anderen, ohne Selbstliebe, ohne all`die Tugenden, Werte und Skills, die in unseren Ausbildungen bis jetzt kaum bis keine Rolle spielten, wird das nix! Notwendige Strukturveränderungen zu leugnen, dafür den Einzelnen in die All-Verantwortung des Restrisikos hochzuloben, nur um Euros zu sparen – ist eine herzlose Politik. Und bevor die Menschen wirklich verstanden haben, was die Potentiale von Resilienz-Arbeit sind, ist der Begriff schon wieder mißbraucht. ( Medico International sei Dank für diesen Hinweis.)

Was sagen die Weisen der Welt: denke bei all`deinen kleinen alltäglichen Entscheidungen ab sofort an die globalen Auswirkungen. Das Leben wird anstrengender, ganz sicher – aber darin liegt die verborgene Entscheidungs-Macht der Konsumenten. Machen wir sie sichtbar. Nein sagen, verzichten, brauche ich nicht oder sharing…der neue Luxus.

Eine schöne Woche.

Ich bin ein Freund des systemischen Konsensierens. Für mich ist das eine eigenständige Mediations-Art – und um kluge Entscheidungen zu treffen – Partizipation einzuüben – braucht es Freiräume für Experimente dieser Art – besonders, um die Haltung zu entwickeln, die es braucht…andere Menschen bei aller Verschiedenheit der Positionen immer noch zu mögen. Das nennen wir Kultur.  Dabei bewegen wir uns kreisförmig durch kreativ wertschätzende Kommunikation auf den kleinsten Widerstandswert zu. – Ein geistiges Jahrhundertprogramm – besonders wenn eine Gesellschaft Hierachien der Bevormundung seit Jahrhunderten gewohnt ist. Freiheit auszuhalten und zu gestalten ist anstrengend. Aber es lohnt sich näher ranzuzoomen, genauer hinzuschauen, warum Burnout und psychische Störungen in den Systemen so zunehmen. Das erschöpfte Selbst ist schon länger Forschungsgegenstand. Ich verstehe systemisches Konsensieren daher als Prävention – die Resilienz nimmt bei ernsthafter Anwendung zu.

Ein paar Aussagen zur Einstimmung:

  • Bewusstseinseintrübung als <normaler< Geisteszustand gilt als Nr.1 für Burnout – Folge davon: Armut und Angst vor Armut bis zu Depressionen
  • Wer keine Möglichkeit entwickelt zur Ruhe zu kommen, kann den Homöostase-Zustand Gesundheit unter Stressbedingungen nicht lange halten
  • Selbstmitgefühl sollte als Gegengewicht zur Selbstkritik unbedingt entwickelt werden – heißt: emotionalen Problemen mit Achtsamkeit und Mitgefühl mit sich selbst zu begegnen
  • Das besondere Glückstraining: Search inside yourself – lerne dich selbst besser kennen, bevor du versuchst die Welt zu retten
  • Begreife, dass gute Fragen wichtiger sind als schnelle Antworten
  • Mache dich auf die Suche nach deinen Widerstandsressourcen: körperlich, materiell, emotional, sozial, spirituell – es geht um den Sense of Coherence  – im Sinne der Salutogenese
  • Wechsle konsequent vom pathogenetischen zum salutogenetischen Denken
  • Worte, Sprache sind Medizin – Ich liebe dich im richtigen Moment zu hören oder zu sagen…vielleicht heilt dieser Klang sogar <Unheilbares<
  • u.v.m.

Aus der Teamforschung ist bekannt: die erfolgreichsten Teams wären von alleine niemals auf die Idee gekommen, die anderen zu suchen, um mit ihnen zusammenzuarbeiten. Sie mögen sich nicht unbedingt – aber sie brauchen sich gegenseitig zur Erreichung des ZIELS. Was hat sie zusammengebracht?

In den letzten Jahrzehnten wurden weltweit viele Untersuchungen durchgeführt, um die Effizienz psychologischer Interventionen innerhalb von Systemen zu verstehen: Familien, Organisationen, Unternehmen, Teams…

Lösungsfocus brachte die besten Ergebnisse, weil die Resilienz von Personen innerhalb von Systemen langfristig die meiste Bedeutung abdeckt. Zuversicht als Potential in die eigene Kompetenz zu stärken und Mediation als integrales Methoden-Setting in alle Quadranten einzubauen, heißt: wir verhandeln alles, bis tiefes Einverständnis von Prozess und Ergebnis vorliegt – das ist die Haltung, die resiliente Gegenwart und Aussicht auf lebenswerte Zukunft schafft.

Resilienz wird den Gummi-Begriff der Nachhaltigkeit ablösen.

P.S.: Im Augenblick überschlagen sich die Statements und Kommentare zu KI Forschung. Künstliche Intelligenz, die Schönheit der Algorithmen mit ihrem absoluten Gedächtnis und…das die Menschheit nur überleben wird, wenn es gelingt, Maschinen mit zutiefst menschlichen Moralvorstellungen zu programmieren. Milliardenschwer die Investitionen in diese Forschung. – Was ich wirklich interessant finde ist die Tatsache, dass in vielen KI-Schmieden Exoten wie Philosophen, Dichter, Künstler und Schriftsteller eingestellt oder beauftragt werden, ihr besonderes Talent für Sprache und Kreativität den Programmieren zur Verfügung zu stellen, damit in den ungewöhnlichsten interdisziplinären Teamkonstellationen vielleicht bald auch Emotionen wie Mitgefühl programmierbar werden…

Der Evolution sei Dank ist das menschliche Herz und Hirn so komplex…das wird noch ein Weilchen dauern. Und ein Computer wird wohl nie ein guter Mediator werden. Oder?

 

 

Anfang Mai 2017 im Benediktushof bei Würzburg.  Es kommt ein Kreis aus Menschen zusammen, die in ihren Biografien eine Gemeinsamkeit haben, die sich aber individuell verschieden zeigt: ein transgeneratives familiäres Kriegserbe. Beruflich vertreten waren Ärzte, Juristen, Psychologen und eine Spezialistin für Interne Unternehmens-Kommunikation. -Das <Ziel<der mehrtägigen Schreib- und ReflexionsWerkstatt: im geschützten Austausch durch Biografiearbeit mögliche Wege (vielleicht Antworten) zu finden…wie Erinnern an Überlebenskräfte in belasteten Situationen ( zum Beispiel das transgenerative Erbe von Kriegs- und Nachkriegstraumata ) zur Ressource für eine Kraftvolle Gegenwart werden kann. Durch tiefgreifende Reflexion, kombiniert mit praktischen Resilienz-Übungen aus verschiedenen Weisheitstraditionen hatten alle Teilnehmenden eine entschleunigte, wohltuende Zeit mit sich selbst und anregenden Austausch im achtsamen Gespräch im Kreis. Für einige war klar, dass sie diese Art von Resilienz-Sensibilisierung mindestens zweimal im Jahr bräuchten, um die eigene Energie- und Achtsamkeitsbilanz zu klären. – Wir verstehen unsere Arbeit deshalb auch als moderne, zeitgemäße Seelsorge. ( Siehe Referenzen)

Save the Date: Vom 6.-9. Februar 2018 bieten wir im Benediktushof Resilienz für Kriegsenkel in Führungsverantwortung an. Sobald der Benediktushof das neue Programm auf der Website hat, legen wir einen link drauf.

Die Vereinten Nationen rufen den heutigen Tag als Glückstag aus. Macht ja auch Sinn, denn heute ist Frühlingsanfang.

Auch hier hast du wieder die Wahl: Glücksforschung als seriöse Wissenschaft betrachten...oder die Glückskekse beim Chinesen lesen und darüber schmunzeln.

Die Glücksforschung – speziell die Abteilung Positive Psychologie – hat mittlerweile Nobelpreis-Nieveau erreicht (Kahnemann) und sitzt mit den Erkenntnissen der Ökonomie im Nacken. Motto: die Wirtschaft hat die Aufgabe, die Menschen glücklich zu machen. ( Lache nicht – ist ernst gemeint!) Der Weg dahin ist natürlich noch lang – aber es gibt erkennbare Ansätze: es könnte hier eine lange Aufzählung folgen – oder du gehts zur Website www.gluecksucher.de

In diesem Projekt waren wir vor 14 Jahren schon auf der Suche nach der Glücksfähigkeit der Deutschen. Und wenn ich heute die geistige Linie der Erkenntnisse verfolge, so sind wir auf diese Weise in faszinierende Forschungsthemen hineingerutscht: Kriegskinder, Kriegsenkel, posttraumatisches Wachstum, Transgenerativität von Trauma, PTBS, Biografiearbeit und alle Fragen rund um Transition und Transformation.

Die Frage nach dem Glück ist breit aufgestellt – unbedingt inter- und transdisziplinär zu beantworten – und hat uns zur Resilienzforschung mit eigenem Ansatz geführt.

Letzten Freitag, 10.03.17 war ich zur Tiny House Pressekonferenz in Berlin. Für ein Jahr lang soll auf dem Gelände des Bauhaus-Archiv ein Campus aus ca. 20 mobilen Tiny Houses als künstlerisches Experiment entstehen und geforscht werden soll über Bildungs- und Baukultur der Zukunft.

Fragen

Wie gestalten sich Nachbarschaften in immer schneller wachsenden Städten einer Einwanderungsgesellschaft?

Wie muss sich vor solchen Fragen die Lehre verändern– beruflich und wissenschaftlich gesehen – um den gegenwärtigen und vor allem zukünftigen Herausforderungen gerecht werden zu können??

Wie kann in der Stadt das Konzept einer 100.- Euro Wohnung als kleinste Wohneinheit realisiert werden?

Veranstaltet wird dieses experimentelle Labor von der Tinyhouse University, ein Berliner Kollektiv aus Gestaltern, Bildungsaktivisten und Geflüchteten. (siehe Kiron University )

In den kommenden Monaten sollen weitere Akteure in Tiny Houses dazu kommen:

Cabin Spacey – ein Start-up aus Berlin, dass Wohnflächen auf ungenutzen Dächern erschliessen will

Cafè Grundeinkommen – ein Hub für das Basic Income Berlin anhand einer eigenen Währung innerhalb eines eigenen Warenkreislaufs

ConstructLab – eine kollaborierende Arbeitsumgebung von Designern und Handwerkern

Frauraum – ein partizipativ gestalteter Begegnungs- und Schutzraum nur für Frauen

House of Tiny Systems – das Projekt mit einer autarken und nachhaltigen Grauwasseraufbereitungsanlagensystem

Refunc Tiny Stories – Funktionen, Wahrnehmungen, Bedeutungen von Komponenten, Material und Ressourcen

RESPACE ein Start-up, das kleine multifunktionale und mobile Räume konzipiert und baut – mit Schwerpunkt mobiler innerstädtischer Siedlungen für Geflüchtete und Studenten.

Das sind Zukunftspioniere-Projekte und wir bleiben dran und werden die Entwicklung verfolgen. Vor allem interessiert uns die Frage, wie die Projekte untereinander kollaborieren werden.

 

Immer mehr, immer schneller… Wachsende Unsicherheit im Beruf, im Finanziellen, in Beziehungen, in Organisationen – als würde der Boden unter den Füßen anfangen zu schwanken…

Undurchschaubare Informationsfluten, schwer verstehbarer „Fortschritt“ überall… Klimawandel, Wirtschaftsdramen, Gentechnik… Politische Entscheidungen, die nicht (mehr) meine sind – von Euro-Normen bis Trump… Atemlos, erschöpft, nervös?

Galgenhumor oder „Nach-mir-die-Sintflut“-Reflexe? Manchmal nur noch hilflos? Burnout Symptome – oder schon Angst, demnächst zum Amokläufer zu werden?

Es gibt so viele Gründe zu verzweifeln. Weil die Wellen immer wieder über Dir zusammenschlagen. Na gut, man kann noch mehr Anpassung und „Steh-auf-Männchen“-Fertigkeiten trainieren: Du zappelst und strampelst, um die Nase über Wasser zu behalten, um weiter zu funktionieren…

Wir haben einen anderen Weg der Entschleunigung. Hier geht`s zu unserem Resilienz-Ansatz.

Fragen im Meer von Flucht und Migration. Questions in the Ocean of Flight and Migration.

Wer sind wir? Wer sind die Anderen? Wie kommen wir in Kontakt?

Im Namen der Welle heißt das internationale Projekt der Künstlerin Marguerite Apostolidis. Als Zukunftspioniere sind wir gerne Kooperationspartner. Denn hier geht es um Zukünfte in ganz existentieller, schicksalhafter Form. Hunderte – zum Teil sehr junge Menschen – stehen vor uns mit ihren Fragen, mit vielen Fragen in vielen Sprachen. Deutsch ist die neue Fremdsprache, die nun die Sprache der neuen Heimat ist. Heimat ist eigentlich nicht das richtige Wort – Deutschland ist erstmal eine Zuflucht. Für mache aber bereits ein Sehnsuchtsort mit vielen großen oder eher bescheidenen Phantasien und Wünschen. Vieles muß in Strukturen gebracht, geheilt oder zumindestens getröstet werden. Jeder Versuch ist es wert – und oft gelingt es ja auch. Wenigsten für eine Weile, für ein wenig Halt und Orientierung, ein Hoffnungsschimmer auf ein neues Leben in Frieden.

Am kommenden Samstag, 11.02.17, gibt es im MIGRApolis Bonn dazu eine Performance. Ihr seid herzlich willkommen.

Bist du den Weg schon gegangen? Oder hast du ihn noch vor dir?

Im ersten Fall antwortest du. Im zweiten Fall fragst du.

Die ZukunftsPioniere sind Teil eines Kunst-Werks, in dem geflüchtete Menschen – vor allem aus Syrien, Afghanistan – und Hiesige üben, sich auf einander zu und gemeinsam in dieser Gesellschaft zu bewegen: Im Namen der Wellen stellt „Fragen im Meer von Flucht und Migration“.

Und weil wir alle den Weg in eine gemeinsame Zukunft noch vor uns haben, wollten wir mehr Fragen stellen, mehr über Fragen rausfinden: Wozu fragen wir überhaupt? Wonach? Und wie am besten? Mit welcher Art Fragen kommen wir leicht in Kontakt, wie halten wir ein Gespräch am Laufen? Warum funktionieren manche Fragen gut, wenn andere Leute ärgerlich machen oder verunsichern? Und warum reagieren verschiedene Menschen unterschiedlich auf dieselbe Frage?

Foto: Amr Keshk

Dazu gab Kathleen am 21.1. einen FragenScout-Workshop in einer Siegburger Notunterkunft, zu dem 12-19 BewohnerInnen kamen (die Beteiligung wechselte – drei Stunden Workshop inklusive Sofort-Test mit realen Gästen war eine ziemliche Anforderung an die Konzentration). Sprachbarrieren und Umfeld-Gewusel ließen uns erst einmal dabei verweilen, die Unterschiede zwischen öffnenden und schließenden Fragen zu erkunden.

Das Ganze läuft aber darauf hinaus, FragenScouts zu gewinnen, die mit uns gemeinsam das gesellschaftliche Grundrecht des ??? aktiv und kreativ ausüben.

Neben bereits ordentlich gelernten Kontakt-Fragen wie „Sind Sie verheiratet?“ oder „Welchen Beruf haben Sie“ gefiel den Teilnehmenden übrigens aus einer von mir mitgebrachten Liste öffnender Fragen an Menschen, für die man sich wirklich interessiert, diese hier: WER BIST DU?

Foto: KB

Als Krönung des Workshops kam es zu einer Begegnung mit Gästen, mit denen die künftigen Fragen-Scouts ihre vorher gewählten und formulierten Fragen ausprobierten – in der mobilen AnkunftsKüche unserer Freunde von CommunityArtWorks, die in der Weitläufigkeit des notunterkünftigen Tiefgeschosses für ein paar Stunden ein Zuhause baute.

In der von Michel A. gestalteten „syrischen Ecke“ (Wandgemälde, selbstgebaute Hocker, ein Tablett mit Ess-Schalen…) entfaltete Thomas seine Anziehungskraft, ließ sich befragen und fragte zurück…

Die Questiologie ermutigt – genauso wie Im Namen der Wellen, die Mäeutik des Sokrates und wir ZukunftsPioniere – dazu, Fragen wichtiger zu nehmen als (schnelle, kurze, schließende) Antworten. Sie versteht sich als kontextsensitive Methode, die richtige Frage im richtigen Moment zu formulieren. Um ein Beispiel für eine gute Frage gebeten, schlägt Questiologe (und der Erfinder dieser noch im Entstehen begriffenen Wissenschaft vom Fragen) Frédéric Falisse vor:

Wie kann man die globale Finanzwirtschaft in den Service einer humanitären Entwicklung stellen?, oder auch: Wie kann man die humanitäre Inno­vation finanzieren?

Finden wir auch gut, diese Frage.

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